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Einige Anmerkungen:

 

Ich werde den Büchern Amazon-Links mitgeben, die allein ihrer Identifikation dienen, da ich kein fremdes Bildmaterial veröffentlichen möchte. Dies soll kein Fingerzeig sein, sie dort zu kaufen. Ich würde es sogar begrüßen, wenn ihr die Bücher, die euch interessieren, im Buchladen um die Ecke kauft, aber das ist allein euch überlassen. 

 

 

Natürlich spiegeln die Rezensionen nur meine eigene, persönliche Meinung wieder. 

 

 

16.9.10 12:50


Brigitte Melzer - Vampyr

Vampyr

 

Catherine kehrt an die Highland-Burg ihrer Kindheit zurück, um gleich ein Attentat auf ihren Jugendfreund Martáinn zu verhindern. Sie versucht ihm zu helfen, steht jedoch plötzlich nicht nur zwischen zwei Männern, sondern gerät selbst in große Gefahr durch einen Vampyr, dem sie näher steht, als sie glaubt.

Das Buch wird von den Kritikern ja hoch gelobt, besonders das Erzählerische. Ja, Brigitte Melzer ist eine Erzählerin. Oft aber zu sehr. Sie ist eine Meisterin des Beschreibens, und das so gut, dass es nicht weiter tragisch ist, dass sie darüber hinaus nicht zum "Zeigen" kommt. Obwohl dies manchmal ein Mangel ist (durch Beschreibungen fühlt man sich manchmal ja bevormundet) zieht einen die Erzählung locker und leicht durch die Geschichte.

Der Vergleich mit "Feuer und Stein" brennt einem geradezu unter den Fingernägeln. Schottland, eine Liebesgeschichte, die Burg, Herrschaftsverhältnisse, Clans, eine Hexenverbrennung im Dorf... Leider fällt dieser Vergleich zugunsten Diana Gabaldons aus. Ihre Erzählkunst ist großartig, alles ist tief, bunt, leidenschaftlich lebendig. Auch die Nebenfiguren haben einen Charakter. Ich könnte mir vorstellen, dass bspw. Geilis oder Murtagh neben mir stehen und wüßte in etwa, wie sie reagieren. Aber selbst die Hauptfigur bei Melzer bleibt schwach. Ich weiß nicht, was Catherine für einen Charakter hat (als Hauptfigur). Auch Daeron könnte ich nicht einschätzen. Er hat nichts, nicht einmal eine Haarfarbe. Genauso farblos ist sein Charakter. Die Charakter tun nichts außer die Geschichte erleben und vielleicht ihrem Beruf nachgehen. Das ist schade, da man der Figur leich ein Hobby geben kann, in dem man sie beim Hereinkommen einer anderen Figur daran arbeiten lässt usw. Auch wenn die Perspektive zwischen Catherine, Daeron und Roderick wechselt, bleiben ihre Gedanken fast fremd. Niemand ist nachdenklicher oder der andere, ironischer o.ä.
Auch die Erklärungen der Herrschaftsverhältnisse (usw.) gelingt Gabaldon leichter, indem sie nicht einen allwissenden Lehrer wählt, der einem vorplappert, wie es war, sondern die Geschichte und die Hauptfigur Claire es herausfinden lässt. Dies erscheint natürlich auf den ersten Blick nicht möglich, da Catherine zwar fort war, aber auf Dun Bronnách aufgewachsen ist. Doch emotional wird ohnehin nicht deutlich, dass Catherine Daeron und Martáinn bereits von Kindesbeinen an kennt. Deshalb finde ich besonders das Ende misslungen: die damit verbundene Überraschung ist schwach. Martáinns Geheimnis wird nicht ausreichend beleuchtet. Wenn sie ihn wirklich schon immer gekannt hätte, hätte sie doch irgendetwas merken müssen.
Im Zusammenhang mit den schottischen Clans ist mir besonders das Wort ClanSkrieger negativ ins Auge gefallen. Ich frage mich, ob das Fugen-s wirklich dort hingehört, und auch als Bezeichnung erscheint mir das Wort falsch und wie aus den Fingern gezogen. Auch die Wortwahl bei Waffengürtel und Schwertgürtel (welche beide recht häufig vorkommen) finde ich nicht gelungen. Meiner Meinung nach heißt es Waffengurt und Schwertgehenk.
Trotz dieser Mängel in den Figuren und der Beschreibung ihrer Umgebung zieht einen die Erzählung durch den Text. Es ist nicht langweilig und teilweise sehr fesselnd. An der Komposition des Plots ist nichts auszusetzen, auch wenn man mehr daraus hätte machen können. Diese Geschichte könnte größer sein.

Um noch einmal auf ihre Erzählkunst zurückzukommen: Es sind moderne Formulierungen und das Spiel mit der Sprache, die diesen Text ausmachen. Oft sind solche Neuformulierungen unangenehm und aufdringlich, doch in diesem Fall nicht. Sie sind frisch, ohne falsch zu wirken. Besonders positiv aufgefallen ist mir der Satz: "Der Rest ihrer Worte ging im Tosen seiner Gedanken unter" (S. 169). Einfach gelungen. Manchmal jedoch verfällt die Autorin Klischees und vereinfachten Stereotypen, so wie hier: "Angewidert von sich selbst lag sie in Darons Armen und weinte um den Verlust ihrer Menschlichkeit" (S. 204). In diesem Satz wird sehr deutlich, dass sie sich hier einer aufgeblasenen Phrase bedient, doch sie offenbar selbst nicht meistern kann, denn von sich selbst angewidert sein und weinen sind für mich sehr menschliche Eigenschaften. Dies ist auch der Fall, als Daeron ihr ganz selbstlos sein Blut anbietet, damit sie nicht stirbt, sehr klischeehaft. Das wäre auch am Ende der Fall, als sie ihn ganz romantisch-kitschig in einen Vampyr verwandelt, damit er nicht stirbt, würde sich im Epilog nicht noch die Ushana einschalten. Das wiederum ist großartig gelöst.


Schade ist sprachlich auch, dass die Autorin die Verwendung des Plusquamperfekts offenbar nicht beherrscht. Die Geschichte ist im Präteritum geschrieben. Figuren sind in einer Situation, beispielsweise unterwegs und denken über ihre Vergangenheit nach. Doch statt der Übersicht halber zu schreiben: „hatte X gesagt“, schreibt sie weiter im Präteritum ("sagte X". Das bringt meiner Meinung nach unnötige Verwirrung in die Geschichte.


Alles in allem ist das Buch durchaus empfehlenswert. Es ist vielleicht kein großartiges Kunstwerk, aber doch sehr gut zum lesen zwischendurch (es ist ja leider nicht sehr dick, es hat 271 Seiten auf sehr dickem Papier [Ueberreuter], es könnte vieles mehr ausgeführt sein bei gleicher Dicke und dünneren Seiten). Die von mir aufgeführten Mängel sind sicher nicht erheblich. Ich würde dem Buch eine Schulnote von 2- bis 3+ geben. Wahrscheinlich eher 3+, weil in meinem Kopf ständig "Feuer und Stein" und "Kelch und Schwert" herumspukten, die beide besser sind und die die Autorin offenbar gelesen hat. Das ist ja nicht schlimm und sicherlich kein Plagiatsvorwurf, denn eine Stimmung ode eine Landschaft kann man ja nicht "stehlen". Trotzdem hätte ich mir im Vergleich mehr Eigenständigkeit gewünscht. Getragen wird die Geschichte wie gesagt besonders von der spannenden Erzählung.
16.9.10 13:26


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