Startseite
    Fremde Gefühle
    Inhalt
    Rezensionen
    - Kurzgeschichten:
    Das Traumgefängnis
    -- Prolog
    Der verlorene Sommer
    Tautropfen und Vagabund (2-tlg)
    -- Gultblatt und Graugeis
    -- Für eine handvoll Dreck
    Grabwächter
    Der schwarze See
    Traumscherbe
    Kaltes Feuer (3-tlg.):
    -- Vergessen
    --Erinnern
    --Feuer
    Die grünen Augen
    Weihnachtsgeschichten
    Kassandraschreie
  Über...
  Gästebuch
  Kontakt
 


 
Links
   Tolle Schreibtipps
   Meine liebste Schreiberseite!
   Gedichte und Gedankenvon Lytz
   Denekros Blog

http://myblog.de/nigromantia

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Gultblatt und Graugeis

Informationen: ca. 1258 Wörter, 2 Seiten

 

Salika strich mit dem Finger den Tau von einem Farnblatt. Sie war müde und die kühle Nässe erfrischte sie. Sie war in aller Frühe aufgestanden, um…
Knack!
Ein Zweig brach in der morgendlichen Stille. Viel zu laut für ein Tier. Wer trieb sich um diese Zeit um Wald herum? Niemand aus dem Dorf jedenfalls.
Obwohl ihr das Herz bis zum Hals schlug, konnte sie nicht anders, als in das Unterholz abseits des Pfades zu dringen.



Gron würde niemals den Moment vergessen, als die junge Frau plötzlich vor ihm stand. Sie hatte sich angeschlichen, ohne dass er auch nur ein Rascheln gehört hatte. Nun stand sie vor ihm, die leuchtend grünen Augen neugierig auf ihn gerichtet. Im Arm hielt sie einen Korb. Ihr hüftlanges, braunes Haar trug sie offen, wohl weil sie geglaubt hatte, niemandem zu begegnen. Es war voller Tautropfen, und allein das machte sie unglaublich attraktiv.

Der Fremde starrte sie einen Moment lang fast unverschämt an. Aber nachdem er sich gefasst hatte, standen seinen Augen nicht mehr still.
Dabei gab es nichts zu sehen, nur Bäume, Moos und Farn. Er wirkte nervös und strich sein hellblondes Haar zurück.
„Guten Morgen, Herr“, sagte Salika und knickste sogar, obwohl er gar nicht wie ein Herr aussah. Die Kleider waren staubig und zerrissen von Dornen. Sein Alter war schwer zu schätzen, vielleicht nur wenige Jahre älter als sie selbst. Und sein Gesicht wäre wirklich ansehnlich gewesen, wenn es nicht unter dem rechten Wangenknochen von einer eben erst verheilten Narbe gespalten gewesen wäre. Sie gab ihm etwas Beängstigendes.
Salika strich ihre Haare hinter die Schultern, um nicht allzu unzüchtig auszusehen.
„Was tust du hier?“, fragte er anstatt ihren Gruß zu erwidern. Seine Stimme klang gepresst.
„Ich sammle Kräuter, für meine kranke Mutter“ Warum erzählte sie ihm das?
„Dann mach, dass du heimkommst“, knurrte er.
„Auf Wiedersehen“, sagte sie höflich und war froh, aus der Situation entlassen zu sein. Doch als sie an ihm vorbei wollte, hielt er sie an der Schulter zurück. Er strich über ihr feuchtes Haar. Salikas Herz klopfte vor Angst, sie war ganz starr. Wollte er ihr etwas antun?
„Verrat mir noch deinen Namen, mein Kind“:
„Salika“ Ihre Stimme klang, als würde er ihr bereits die Kehle zudrücken. Dann riss sie sich los und rannte davon.
Außer Atem kam sie am Waldrand an. Ihr Haus, vielmehr eine Hütte, kam in Sicht. Es stand ein gutes Stück außerhalb des Dorfes.
Sie blickte sich um. Doch die Büsche teilten sich nicht. Überrascht stellte sie fest, dass sie trotz aller Angst enttäuscht war. Sollte ihr kleines Abenteuer schon vorbei sein?
„Du bist spät dran“, wurde sie von ihrer Mutter begrüßt. Sie lag im Bett. Sie weigerte sich bereits den dritten Tag, aufzustehen. Ihr Haar war endgültig grau geworden und Salika kam es vor, als wäre das in den letzten Tagen erst geschehen.
Dabei war ihre Mutter immer auf den Füßen anzutreffen gewesen. Von morgens bis abends hatte sie gewirbelt und gearbeitet, früher hatte sie oft ein Lied auf den Lippen gehabt, doch in letzter Zeit waren diese Lippen immer fest zusammengepresst gewesen.
„Setz Wasser auf“, kommandierte Ariana. Salika war an ihren neuen rauen Ton schon gewöhnt.
„Glaubst du wirklich, dass der Sud hilft?“, fragte sie besorgt.
„Komm her“, gab ihre Mutter zur Antwort. Salika warf die letzten Zutaten in den Kessel und setzte sich auf die Bettkante. Ariana nahm ihre Hand. „Du hast Gultblatt, Graugeis und Brenolablüten, richtig?“ Salika nickte. „Sag mir, was sie bewirken“
„Gultblatt senkt das Fieber, Graugeis ebenfalls und es läßt das Blut langsamer fließen und Brenola beruhigt den Aufruhr im Körper.“
„Sehr gut“, lobte Ariana und strich ihrer Tochter über den Kopf. Das hatte sie schon sehr, sehr lange nicht mehr getan.. „Merk es dir gut, denn bald wirst du es ohne mich können müssen.“
„Mutter!“

Gron hatte sich einen verborgenen Platz zum Schlafen gesucht. Er hoffte, in der nächsten Nacht weiterziehen zu können, doch am meisten hoffte er, endlich Schlaf zu finden. Sein ganzer Leib war wie ein einziger Klumpen Grütze. Zuletzt hatte er mehrmals an einem Tag den Schlafplatz gewechselt und…
Er erwachte davon, dass jemand auf seine Brust plumpste. Kein schönes Erwachen, viel zu unsanft für seinen Geschmack. Er öffnete die Augen.
„Du schon wieder!“
„Guten Abend“, murmelte Salika. Sie war puterrot geworden, und versuchte hastig, sich aufzurappeln.
Gron verdrehte die Augen. „Was machst du schon wieder hier? Und vor allem: was tust du auf mir?“
Salika hatte es geschafft, in die Hocke zu kommen und fing an zu kichern. Gron seufzte.
„Ich bin gestolpert. Außerdem kann ich doch nichts dafür, dass ich dich ständig im Wald treffe.“
Gron stand auf und rollte seine Decke ein. Salika betrachtete interessiert seinen wenigen Besitz.
„Komm, ich geleite dich heim, es beginnt schon zu dämmern, und dann ziehe ich weiter.“

Wenn Salika es sich recht überlegte, sollte sie sich immer noch vor dem Fremden fürchten, doch ihr Herzklopfen kam nicht daher.
„Warum treibt sich ein Mädchen wie du ständig im Wald herum? Fürchtest du dich gar nicht?“
„Ich habe es doch schon gesagt, ich brauche Kräuter. Und du?“ Salika staunte über ihren eigenen Mut.
„Ich heiße Gron“, erwiderte er nur.
Doch Salika gab sich nicht zufrieden. „Wenn ich das richtig sehe, reist du in der Nacht und versteckst dich am Tag. Bist du auf der Flucht?“
Gron schwieg und Salika fragte sich, ob sie zu weit gegangen war. Sie war es, doch zurücknehmen konnte sie ihre Worte nicht.
„Du wirst es mir nicht glauben“, sagte er nach einer Weile.
„Ach was“, flüsterte sie atemlos. Sie konnte nicht glauben, dass er es ihr erzählen wollte.
„Nein, es bringt nichts, zu reden. Das macht nichts ungeschehen und nichts besser.“
„Doch“, warf sie ein. Er schwieg aber.
Salika überlegte fieberhaft, wie sie ihn zum Reden bringen konnte. Sie fand es gemein, dass er es ihr jetzt doch vorenthalten wollte. Wo man so selten etwas Neues hört!
Da kam schon ihre Hütte im Waldrand in Sicht. Grons Gesicht war seit seinen letzten Worten eine starre Maske geblieben. Aber Salika wollte nicht aufgeben.
„Möchtest du mitkommen, eine Kleinigkeit essen? Viel haben wir nicht, aber…“
„Salika!“, unterbrach er sie ungeduldig. „Wenn ich dir erzählen würde, dass ich zaubern kann, würdest du mir doch nicht glauben.“
„Salika, bist du das?“, rief es aus der Hütte. Es klang alt und schwach und gar nicht wie Ariana.
„Was?“, flüsterte Salika an Gron gewandt.
„Deine Mutter…“
„Jetzt nicht. Wieso glaubst du, dass du zaubern kannst?“
„Salika!“, rief es ein zweites Mal.
„Salika, deine Mutter, sie…“
„Mutter, ich komme gleich!“, schrie Salika die Holzwand an. „Los, erzähl mir mehr“, bat sie dann.
Gron fasste ihre Schultern und zwang sie, ihn anzusehen.
„Hör zu, du musst erst…“
„Salika!“, rief die Mutter zum dritten Mal. Es klang fast, als hätte sie ihre Zunge verschluckt. .
„Ja, ja!“, schrie Salika.
Gron griff fester zu. Es tat weh. „Salika, deine Mutter stirbt!“ Sie starrte ihn einige Sekunden an. Dann riss sie sich los und rannte ins Haus.
Atemlos kam sie am Bett ihrer Mutter an. Zwischen den Decken regte sich nichts. „Mutter!“, schrie sie. „Mutter!“
Sie bekam die knochendürrren Schultern zu fassen und drückte ihre Mutter an sich. Doch die von Falten umkränzten Augen gingen nicht noch einmal auf.
Seltsam trockene Schluchzer schüttelten Salika. „Mutter…“

Irgendwann war Gron hinter sie getreten und hatte einen Hand auf ihre Schulter gelegt, wie um sie am Boden zu halten, damit sie nicht in den Abgrund stürzte, der sich vor ihr auftat., Mit einem Wimmern sprang sie auf und warf ihre Arme um seinen Hals. Hilflos strich er über ihren Rücken.
Dann sah sie ihn an und das klare Blau seine Augen brachte sie wieder zu sich.

Ehe sich Gron des Wandels bewusst werden konnte, schlugen plötzlich ihre zierlichen Fäuste auf ihn ein. „Du!“, schrie sie. „Du! Wenn du doch ein Magier bist, warum hast du ihr dann nicht geholfen?“
Gron schob sie von sich und sah zu Boden. Sie würde ihm niemals glauben, dass er es nicht konnte.
15.12.08 23:44
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung