Startseite
    Fremde Gefühle
    Inhalt
    Rezensionen
    - Kurzgeschichten:
    Das Traumgefängnis
    -- Prolog
    Der verlorene Sommer
    Tautropfen und Vagabund (2-tlg)
    -- Gultblatt und Graugeis
    -- Für eine handvoll Dreck
    Grabwächter
    Der schwarze See
    Traumscherbe
    Kaltes Feuer (3-tlg.):
    -- Vergessen
    --Erinnern
    --Feuer
    Die grünen Augen
    Weihnachtsgeschichten
    Kassandraschreie
  Über...
  Gästebuch
  Kontakt
 


 
Links
   Tolle Schreibtipps
   Meine liebste Schreiberseite!
   Gedichte und Gedankenvon Lytz
   Denekros Blog

http://myblog.de/nigromantia

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Der schwarze See

Der schwarze See

Für N.

 

Informationen: ca. 4392 Wörter, 8 Seiten, neu bearbeitet 28.01.08 

 

Dunkel lagen die Wasser vor mir - dieser See war anders als die schottischen Lochs, die groß waren, von wilder Schönheit und doch berechenbar. Als meine Augen in der Dunkelheit das Schild mit dem Zeichen für Badeverbot - international ohne ein einziges Wort - erblickten, es mehr erahnten, weil ich wusste, was darauf war, überkam mich doch die Angst. Was tat ich hier?

Ich dachte an Chris, während ich meinen Pullover auszog und meine Haut im Mondlicht schimmerte. Vielleicht war meine Reaktion überzogen gewesen und nur Trotz gegen sein Verhalten. Aber jetzt wollte ich nun einmal hier schwimmen. Er hätte ja mitkommen können, es hätte mir gut gefallen, in der leise vor sich hin schwappenden Dunkelheit seinen Körper zu ertasten...

Sollte er doch im Hotel bleiben, bis er schwarz wurde!

Wir hatten diesen kleinen See vor zwei Tagen entdeckt und da hatte ich schon darin schwimmen wollen. Und die Vorstellung, es bei Nacht zu tun, hatte mich noch mehr gereizt. Chris war schier entsetzt gewesen und hatte nicht schnell genug aus dem Wald weggekonnt. Vielleicht hatte er ja recht gehabt?

War es wirklich nur der Nachthimmel, sich scheinbar über mich allein spannend, der den See so schwarz färbte?

Nein. Keine Ausreden. Mit einem entschlossenen Ruck riss ich mir das letzte Kleidungsstück vom Leib.

Ich hatte vorgehabt, mich einfach ins Wasser zu stürzen, doch jetzt ging ich doch mit kleinen Schritten tiefer und tiefer in das Wasser, das sich seltsam substanzlos anfühlte.

Unsinn.

Nach etwa zwei Metern hatte ich mich vollkommen an die Kälte gewöhnt und das Wasser reichte mir bis an die Schultern.

Bevor ich losschwamm, wollte ich auch mein Gesicht mit dem erfrischenden Nass benetzen, formte die Hände zu einer muschelförmigen Schale, schöpfte ein wenig Wasser, wollte es mit erhobenen Armen über mich fließen lassen- und erschrak.

Klares Mondlicht fiel herab und zeigte deutlich, was ich weder sehen sollte noch wollte. Bei Tage hatte man bis auf den Grund sehen können und ich sollte durch das klare Wasser meine Hände sehen können. Doch das Wasser war schwarz. Schwarze Tropfen perlten von meiner hellen Haut, und unnatürlich langsam keimte Entsezten in mir auf. Was war das für eine Flüssigkeit?!

Einige Augenblicke war ich orientierungslos, dann schwamm ich mit kräftigen Schwimmzügen, die jedoch das Vergessen jeglichen Gelerntens offenbarten, los. Das Ufer, das mir gerade noch so nahe vorgekommen war, schien nicht näher zu kommen. Ich hatte das Gefühl, dass die schwarzen Schatten der hohen Bäume mich in meinem sinnlosen Unterfangen verhöhnten. Ich strampelte wie wild, doch der See verschlang mich!

Einen Moment lang schien die Panik Atem zu holen, denn mit erstaunlicher Klarheit erkannte ich, dass eine Schlingpflanze mich festhielt. Nicht nur das, ihr fester Griff um meinen Knöchel begann mich unerbittlich nach unten zu ziehen.

Jetzt nur nicht in Panik geraten. Ruhig bleiben, rief ich mir in Gedanken zu. Mit größtem Widerstreben - doch es musste sein!- hielt ich den Atem an und tauchte in die schwarzen Fluten, die über mir zusammenschlugen. Es hatte etwas Endgültiges.

Ich konnte nichts sehen, tastete nur nach meinem Fußgelenk, hatte nach einer Weile das Gefühl, die Oberfläche sei weiter weg als zuvor, streckte meinen Körper durch, brauchte Luft - es kam kein Oben! 

Sollte ich wegen eines dummen Streites mit Chris hier elendig ertrinken? Wegen meines Trotzes? Was würde er sagen, wenn er mich nie wieder fand? Nur meine ertrunkene Leiche?

Luft, Luft!

Bitte!

Erbarmen!

Bitte!

War die Schwärze um mich herum schon der Tod?

Oder immer noch das schwarze Wasser?

Meine Lungen brannten.

Ich flehte, dass es enden möge.

In meinen Ohren sauste Überdruck.

Ich wollte einatmen,

Auch wenn es das Ende wäre.

Bitte…!

 

 

 
weiterlesen

28.7.07 16:45





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung