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Traumscherbe

Traumscherbe

Informationen: ca. 2471 Wörter, 4 Seiten

Es war hart und verdammt kalt unter mir, als ich erwachte. Erstaunt, und ohne zu wissen, wo ich war, presste ich mich mit den Armen halb in die Höhe. War ich etwa auf dem Friedhof eingeschlafen? Ich schüttelte den Kopf. Es war weit mit mir gekommen, wirklich. Das musste sich ändern!

Mit schmerzenden Gliedern stemme ich mich ganz in die Höhe. Jetzt, wo es dunkel war, wirkte der Friedhof plötzlich bedrohlich. Die kahlen Äste schienen Klauen zu sein, die nach mir griffen… und dort, schaute mich dort eine verzerrte Fratze aus dem Gebüsch an?

Ich schüttelte wieder den Kopf über mich selbst. Hannas Tod hatte mich arg mitgenommen. Sollte ich jetzt auch noch Wahnvorstellungen bekommen? Ich musste etwas tun, ich musste wieder ins Leben zurückfinden. Es war Schluss mit der Heulerei, ich musste mich dem Leben zuwen… da war wirklich eine Fratze!

Ich sah noch einmal hin. Ja, das bleiche, irgendwie verzerrte Gesicht einer Frau grinste mich an. Ehe ich mein schauderndes Erkennen irgendwie in einen Gedanken verwandeln konnte, sprang sie. Mit den langen, spitzen Fingernägeln direkt auf mein Gesicht zu!

Ein eiskalter Wasserguß aus Panik überkam mich jäh, als ich mich umwandte und losrannte. Ich hatte noch nicht einmal ganz begriffen, was geschah. Ich rannte. Äste schlugen mir ins Gesicht. Quer über die frisch gemähte Grasfläche, auf der erst wenig neue Gräber waren. In der Ferne konnte ich das Tor erkennen, durch das schwach das Licht einer Laterne fiel. Hinter mir keuchte es. Oder war es ein Zischen, voller Hass und Wut? Ich richtete meine Augen auf das Ziel, bemühte mich, schneller zu laufen und… trat in ein Kaninchenloch. Ich knickte schmerzhaft um. Wimmernd vor Pein lief ich einfach weiter.

Der Friedhof war eigentlich nicht besonders groß, doch jetzt kam er mir unendlich vor. Bildete ich mir das Keuchen hinter mir nur ein? Kam es näher? Lauf schneller, spornte – oder flehte – ich mich an.

Ich versuchte schneller zu laufen, wirklich, doch meine Beine waren wie gelähmt. Die Muskeln verkrampften und wehrten sich so gegen die Anstrengung.

Dann war ich fast heran. Zurück in die Zivilisation.

Doch – wie konnte es anders sein – das Tor war verschlossen. Ich lief direkt davor, eine Hand auf der Klinke, um sie herunterzudrücken und es mit dem Schwung aus dem Lauf aufzuschieben. Neue Schmerzsignale in Hüften und Schultern registrierte ich, ignorierte sie dann aber.

Ohne mich nach der schrecklichen Frau mit ihrem zornverzerrten Gesicht – mein Gott, ich konnte es auch so hinter meinen Lidern sehen – umzudrehen, begann ich zu klettern.

Aber eine Hand in meinem Nacken hinderte mich. Eine Hand, noch kälter als Eis.

Sie zerrte mich von dem Tor, als wäre ich ein Kätzchen, dass sie im Genick gepackt hielt und drehte mich zu sich um.

Ihr Anblick war grauenhaft. Jetzt wusste ich, was mir an ihrem Gesicht so falsch erschienen war. Nein, ich wusste nicht genau, was es war, doch es wirkte, als würde ich ihr Antlitz durch den Boden einer Flasche ansehen. Ihre dunklen Haare hingen in verklebten Strähnen über die Schultern und ihre Kleider waren zerrissen und in der Dunkelheit nicht weiter definierbar. Und in ihren Augen war kein Leben. Durch die Pupillen blickte man ins Nichts. Nur darum herum war ein wenig von dem Hass zu erkennen, der ihr Gesicht so sehr verzerrte, dass man es beim besten Willen nicht scharf erkennen konnte.

Jetzt entblößte sie ihre Zähne, ich wusste nicht, ob es ein Knurren oder ein Lachen war, dass ihre Lippen verließ. Mein einziger Gedanke war, dass dies alles absurd war.

Ich versuchte mich zu wehren, mein Gott, ich war ein Mann, doch ihr Griff war ein Schraubstock. Je mehr ich mich wehrte, desto enger wurde er.

Sie senkte ihren fauligen Mund auf meinen. Ich schrie in ihren Mund.

Etwas… geschah mit mir…

 


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11.1.08 10:12





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